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Jemand will ein Mehrfamilienhaus in Stuttgart-Ost verkaufen — ohne dass die Mieter davon erfahren. Eine andere Person trennt sich, das gemeinsame Haus soll weg, bevor der Bekanntenkreis Bescheid weiß. Wer den Verkauf so still wie möglich halten will, stellt früh dieselbe Frage: Was ist das Objekt tatsächlich wert — und was kostet es, wenn das niemand erfahren soll?
Diese Frage ist beim diskreten Verkauf keine Nebensache, sie ist die entscheidende. Beim öffentlichen Angebot zeigt der Markt selbst, ob der Preis stimmt: viele Interessenten bieten, wenige bedeuten, der Ansatz war zu hoch. Beim Off-Market-Verkauf fehlt dieses Korrektiv. Wer zu hoch einsteigt, verliert Wochen in Gesprächen, die nirgendwo hinführen — und verbraucht dabei Vertraulichkeit, die sich nicht erneuern lässt. Wer zu niedrig ansetzt, verschenkt Geld. Der Marktwert muss sitzen, bevor das erste Gespräch stattfindet.
Das deutsche Bewertungsrecht kennt drei anerkannte Wertermittlungsverfahren, geregelt in der Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV 2021). Ein belastbares Ergebnis entsteht in der Praxis selten aus einem einzigen Verfahren — die Stärke liegt in der Plausibilisierung: Wenn zwei Methoden zu ähnlichen Ergebnissen kommen, ist das ein Zeichen, dass der Wert trägt.
Für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser ist das Vergleichswertverfahren die erste Wahl. Es leitet den Wert aus tatsächlich gezahlten Kaufpreisen vergleichbarer Objekte ab — gleiche Lage, ähnliche Größe, vergleichbarer Zustand. Die Datenbasis liefern die Gutachterausschüsse der Länder. In Stuttgart ist das der Gutachterausschuss für Grundstückswerte Stuttgart, der regelmäßig Marktberichte mit aktuellen Kaufpreissammlungen veröffentlicht.
Beim diskreten Verkauf ist dieser Wert der Ausgangspunkt — nicht der Wunschpreis, nicht der Erinnerungswert aus dem Kaufjahr. Was hätte das Objekt auf dem offenen Markt gebracht? Das ist die Zahl, von der alle weiteren Überlegungen ausgehen.
Vermietete Objekte — Mehrfamilienhäuser, Zinshäuser, gemischt genutzte Gebäude — werden nach dem Ertragswertverfahren bewertet. Die Grundlage ist die Jahresrohmiete abzüglich der Bewirtschaftungskosten; das Ergebnis, der Reinertrag, wird mit dem Liegenschaftszinssatz kapitalisiert. Dieser Zinssatz ist keine freie Variable — er wird vom jeweiligen Gutachterausschuss aus tatsächlichen Transaktionen abgeleitet und regelmäßig aktualisiert.
Ein Unterschied von einem halben Prozentpunkt beim Liegenschaftszinssatz kann bei einem mittelgroßen Stuttgarter Mehrfamilienhaus erhebliche Auswirkungen auf das Ergebnis haben. Wer diesen Satz aus dem Bauch schätzt oder von einem anderen Markt übernimmt, rechnet an der Realität vorbei.
Bei Objekten ohne ausreichende Vergleichsdaten — denkmalgeschützte Gebäude, Spezialimmobilien, Objekte in sehr dünnen Teilmärkten — greift das Sachwertverfahren. Es bewertet Grundstück und bauliche Substanz getrennt und führt beide zusammen. In der Praxis dient es häufig der Plausibilisierung, nicht als einzige Grundlage. Im Stuttgarter Kerngebiet, wo Transaktionsdaten vergleichsweise gut verfügbar sind, ist es selten das führende Verfahren.
Diskretion schränkt den Käuferkreis ein. Das ist keine Vermutung, sondern die direkte Konsequenz der Methode: Auf den großen Immobilienportalen erreicht ein Angebot Hunderttausende potenzielle Interessenten. Im Off-Market-Vertrieb sehen es nur jene, die der Makler aus seinem Netzwerk aktiv anspricht. Ein kleinerer Käuferkreis bedeutet in der Regel weniger Bieterdynamik — und das wirkt sich auf den Preis aus.
Wie stark, hängt vom Objekt ab:
Wer diese Abwägung früh versteht, kann bewusst entscheiden. Ein Abschlag gegenüber dem optimalen Marktpreis ist für viele Eigentümer akzeptabel — wenn dafür Mieter, Nachbarn oder Geschäftspartner nichts erfahren. Für andere ist diese Rechnung falsch. Beides sind legitime Antworten; sie setzen aber voraus, dass die Ausgangszahl stimmt.
Off-Market-Käufer sind kein homogenes Segment. Im Stuttgarter Raum lassen sich drei Gruppen unterscheiden, die unterschiedliche Preisvorstellungen und Kaufmotive mitbringen:
Welche Gruppe realistischer Käufer ist, hängt vom Objekt ab. Ein saniertes Einfamilienhaus in Fellbach spricht andere Interessenten an als ein unrenoviertes Zinshaus in Stuttgart-Zuffenhausen. Diese Einschätzung beeinflusst nicht nur die Vermarktungsstrategie, sondern auch die realistische Preisspanne.
Ein Bewertungsgespräch für einen stillen Verkauf unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt von der üblichen Wertermittlung: Die Frage lautet nicht nur „Was ist das Objekt wert?", sondern auch „Wen kann man diskret ansprechen — und was zahlen diese Käufer realistisch?"
Das bedeutet in der Praxis:
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, ergibt ein Zielpreis Sinn. Eine Zahl ohne Kontext führt in die falsche Richtung.
Das sind zwei verschiedene Zahlen. Wer mit dem öffentlichen Marktwert in Off-Market-Gespräche geht und jeden Abschlag als Niederlage wertet, verhandelt schlecht — nicht weil der Käufer unfair ist, sondern weil der Rahmen ein anderer ist. Die richtige Frage lautet: Was ist bei vertraulichem Vorgehen realistisch erzielbar? Das kann nah am Marktwert liegen oder deutlich darunter — je nach Objekt, Marktlage und verfügbarer Zeit.
„Ich habe damals X bezahlt" oder „der Nachbar hat Y bekommen" sind keine Bewertungsgrundlagen. Kaufpreise aus vergangenen Jahren spiegeln eine andere Marktlage wider. Transaktionen aus dem Bekanntenkreis fehlen oft wesentliche Details: Zustand, Ausstattung, genaue Lage, Verhandlungssituation. Die aktuelle Marktlage aus aktuellen Vergleichsdaten abzuleiten ist Aufgabe einer professionellen Wertermittlung — nicht der eigenen Einschätzung.
Wer zuerst mit potenziellen Käufern spricht und dann merkt, dass der Preis nicht stimmt, hat Vertraulichkeit bereits verbraucht. Wer diskret verkaufen will, braucht eine belastbare Zahl, bevor das erste Gespräch stattfindet — nicht danach.
Bei einem öffentlichen Angebot korrigiert der Markt einen zu hohen Ansatz schnell und sichtbar. Bei Off-Market-Gesprächen führt ein falscher Preis zu langen Nachverhandlungen — oder der Interessent zieht sich zurück, ohne zu erklären warum. Ein realistisches Bild des Objektzustands von Anfang an ist kein Nachteil, sondern Schutz für den eigenen Zeitplan.
Wer ein Mehrfamilienhaus oder ein Zinshaus diskret verkaufen will, hat eine zusätzliche Komplexitätsschicht: die Mieter.
Aus mietrechtlicher Sicht ist ein Eigentümerwechsel zulässig und berührt laufende Mietverhältnisse grundsätzlich nicht — § 566 BGB schützt die Mieter: Der Käufer tritt in die bestehenden Mietverträge ein. Die praktische Frage ist eine andere: Wie wird das Objekt besichtigt, ohne dass Mieter verunsichert werden?
In der Praxis wird bei diskreten Verkäufen häufig auf eine Innenbesichtigung in der Frühphase verzichtet. Dem Interessenten werden stattdessen Grundrisse, Betriebskostenabrechnungen, Mietverträge und technische Unterlagen zur Verfügung gestellt. Die Besichtigung findet erst bei ernsthaftem Kaufinteresse statt — mit kurzer Vorankündigung an die Mieter und einem plausiblen Grund.
Für die Bewertung bedeutet das: Der Wert muss auch ohne vollständige Innenbesichtigung tragfähig sein. Das ist möglich — hat aber Grenzen bei verborgenen Mängeln, die erst bei der Besichtigung sichtbar werden. Dieser Vorbehalt gehört transparent in den Prozess.
Stand: September 2026. Die Ausführungen zu § 566 BGB dienen der Orientierung und ersetzen keine rechtliche Beratung im Einzelfall.
Eine Verkehrswertermittlung nach ImmoWertV von einem zugelassenen Sachverständigen kostet je nach Objektkomplexität zwischen einigen Hundert und mehreren Tausend Euro. Für den diskreten Verkauf ist das gut angelegtes Geld: Ein dokumentiertes Gutachten hält in Verhandlungen stand — ein Bauchgefühl nicht.
Für viele Eigentümer ist ein Vollgutachten aber nicht der richtige Einstieg. Eine fundierte Marktwerteinschätzung durch einen erfahrenen Makler, der den Stuttgarter Markt und seine Besonderheiten kennt, reicht für die erste Orientierung oft aus. Entscheidend ist die Nachvollziehbarkeit: Welche Vergleichsobjekte wurden herangezogen? Welcher Liegenschaftszinssatz wurde angesetzt? Welche Annahmen liegen der Bewirtschaftung zugrunde?
Eine Zahl ohne Herleitung ist keine Bewertung — sie ist eine Behauptung. Und auf eine Behauptung lässt sich kein Verkaufsprozess aufbauen, der standhält, wenn der Käufer nachfragt.
Wenn Sie wissen wollen, was Ihre Immobilie beim diskreten Verkauf realistisch erzielen kann — nicht was theoretisch möglich wäre, sondern was bei vertraulichem Vorgehen tatsächlich zu erwarten ist —, dann ist ein persönliches Gespräch der richtige Einstieg.
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Über den Autor
Redaktion · Immozeit Ankauf
Das Redaktionsteam von Immozeit Ankauf. Wir schreiben über den Immobilienmarkt in der Region Stuttgart, Ludwigsburg und Kornwestheim — aus der täglichen Praxis unseres inhabergeführten Maklerbüros.
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